Abschlussarbeit: Machbarkeitsstudie einer Mikro-Wasserkraftanlage zur Netzstabilisierung einer ländlichen Bergregion Tansanias
Im Kontext einer akademischen Abschlussarbeit im Studiengang Management erneuerbarer Energien an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat Johannes Ilg ein abgelegenes Mikro-Wasserkraftprojekt in einer nördlichen Bergregion Ostafrikas analysiert. Ziel war es, technische, ökologische und sozioökonomische Aspekte dieses Projekts neu zu bewerten und potenziellen externen Geldgebern eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu liefern. Das Untersuchungsgebiet zeichnet sich durch herausfordernde topografische Bedingungen und
eine bislang nur eingeschränkt entwickelte Infrastruktur aus, was die Projektrealisierung erschwert.



Die methodische Basis bildete eine gezielte Studienreise zum Arusha Technical College in Tansania, wobei sowohl Feldstudien auf der Projektfläche als auch der Aufbau lokaler Kontakte
erfolgten. Die technische Grundkonzeption des Wasserkraftwerks stützte sich auf eine vorhandene Doktorarbeit, jedoch wurde die bauliche Umsetzung bereits in einer frühen Projektphase aufgrund finanzieller Engpässe abgebrochen. Für die aktuelle Arbeit wurde eine umfassende Machbarkeitsstudie durchgeführt, in der technische, ökologische und sozialökonomische Parameter systematisch untersucht wurden. Ein besonderer Fokus lag auf der partizipativen Einbindung der lokalen Bevölkerung sowie auf einer präzisen dreidimensionalen Erfassung der physischen Gegebenheiten mittels moderner Drohnenaufnahmen und der Gaussian Splatting Methode zur 3D-Modellierung. Die technische Auslegung und die Machbarkeitsstudie verdeutlichen, dass ein Mikro-Wasserkraftwerk in der untersuchten Region sowohl technisch realisierbar als auch ökologisch verträglich ist. Die Einbindung lokaler Entscheidungsträger und der Bevölkerung erfolgte mittels strukturierter Interviews mit Professoren des Arusha Technical College, Vertretern der Dorfverwaltung, dem lokalen medizinischen Personal, dem Stromversorger sowie einfachen Dorfbewohnern. Die Auswertung dieser partizipativen Ansätze zeigte eine hohe Akzeptanz und ein großes Engagement der lokalen Bevölkerung, sich an Bau und Wartung des Kraftwerks aktiv zu beteiligen. Insbesondere konnten in den 3D-Modellen des Standortes neben der natürlichen Topografie auch geplante technische Anlagen wie eine Staustufe und das Turbinenhaus integriert werden, was die Projektvorstellung bei potenziellen Investoren erleichtern soll.


Empirisch belegt eine erfolgreiche Elektrifizierung, in Übereinstimmung mit einer unabhängigen Studie in der Region, einen messbaren Anstieg der Haushaltseinkommen sowie signifikante Verbesserungen der medizinischen Versorgung. Die Interviewpartner aus der Bevölkerung hoben insbesondere die Dringlichkeit einer Projektrealisierung und die zu erwartenden Verbesserungen für die Lebensqualität hervor.



Haupthemmnis für den baulichen Fortschritt bleibt die nach wie vor angespannte Finanzierungslage. Trotz laufender Gespräche mit der Rural Energy Agency als bisher einzigem Fördermittelgeber sind noch erhebliche Mittel zu akquirieren. Als zentrale Erkenntnisse erwiesen sich in diesem Zusammenhang die anschauliche, dreidimensionale Darstellung der Projektdimensionen und die Einbindung der Bevölkerung, um das Vertrauen externer Geldgeber zu gewinnen. Gleichzeitig unterstreicht die vorgesehene Einspeisung in das lokale Stromnetz den Modellcharakter des Projekts und bietet Ansatzpunkte für eine zukünftige Replikation in anderen Regionen.
Die Arbeit demonstriert, dass die Kombination aus fundierter technischer Auslegung, partizipativer Sozialforschung und moderner 3D-Visualisierung selbst für schwer zugängliche Regionen stimmige Entscheidungsgrundlagen für Investitionen in erneuerbare Energien liefern kann. Die enge Einbindung der lokalen Bevölkerung und die Übertragbarkeit auf weitere Projekte unterstreichen den nachhaltigen, modellhaften Charakter dieser Initiative. Es empfiehlt sich, die Projektergebnisse in die strategische Entwicklung neuer Energieinfrastruktur in Tansania einzubinden und langfristig zu verstetigen.
Autor: Johannes Ilg
Betreuer: Prof. Dr. Andreas Zeiselmair
Mit freundlicher Untersützung der Kinofreunde Aichach.